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April 14, 2012

Subkultur als Retadierendes Moment

Vor einiger Zeit erschien in der Jungle World ein Artikel gegen die aktuelle popkulturelle Rezeption von Vintage und Retro. Von Nietzsche bis Adorno wurde ein intelektuelles Schwergewicht nach dem anderen bemüht, um auf die immer wiederkehrende Ausbeuteung der Immergleichen hinzudeuten. Retro, das ist nichts Neues, sondern das Verharren in einem desaströsen Ist. Von der Problematik einer Verklärung der “Goldenen Zwanziger” bis hin zur totalen Abkoppelung des popkulturkapitalistischen Überbaus von der Basis wurde gewarnt: Der Kapitaldämon Retro gegen Weltschmerz beschworen. Die Frage, die mich in diesem Zusammenhang nun schon seit erscheinen des Artikels beschäftigt hat ist eine Frage worin eigentlich die Zukunft liegt. Wie die Gegenwart mit der Vergangenheit zusammenhängt und wo sich was bewegt. Retro, Popkultur, Subkultur.

Über den Tresen gebeugt, bei einem kalten Schwarzbier und mit Heavy Metal Blues kamen mir Gedanken. Wie ist das eigentlich so mit den Subkulturen. Ist die offenkundige Zugehörigkeit zu einer Subkultur retro? Sind Subkulturen tot? In einer Welt von Crossover bis Metalcore: Gibt es da noch eindeutige Zugehörigkeiten? Haben sich alle Subkulturen in einen Brei aufgelöst; und viel interessanter: Wenn ja, ist dieser seinerseits Subkulturell?

Heavy Metal. Ein Blick auf einen Festivalfyler bestätigt: Wen ich 2007 in Dinkelsbühl gesehen habe, der macht noch immer Musik und wer die “Too Old For Rock’n'Roll”-Tour verpasst hat, geht eben im nächsten Jahr auf die “Too Young To Die”-Tour. Dieselben Gossenhauer, dieselben Alben, dieselben KaPus und Frisuren. Bands covern sich selbst und werden dabei von anderen Bands gecovert. Anderntags in einem dunklen Gruftikeller auf einen anderen Flyer: Ich war lange nicht hier, höre die Musik wenig. Trotzdem kenne ich ¾ der angegebenen Bands für eine Veranstaltung. Den Rest? Dem Namen nach. Hm.

Hat meine Freundin sich mit 13 noch am Türsteher vorbei in ihren Lieblingsclub geschlichen, um unbemerkt von Eltern und Aufsichtspersonal die Subkultur zu feiern kennt man sich mittlerweile. Die störenden Kids auf Konzerten werden weniger, der Altersdurchschnitt steigt. Ist das schlecht? Ist die Subkultur vielleicht auch gar nicht tot, sondern lediglich erwachsen geworden?

Irgendwie ist das schon Retro. Die wilden Zeiten sind vorbei. Sicheres Indiz: Hipster als Verkörperung aller toten Subkulturen in ausschließlichem Selbstbezug. Ist Subkultur ohnehin nur versteinerte Bewegung. Ist das so? War das fordernde Neue einer Jugend, die ein verschlafenes Establishment anging, nicht eben ihr Herzschlag? Liegt jede subkulturelle Authenzität nicht eben ihrer kulturellen Revolution?
Angefangen bei der Flower-Power-Bewegungen: Es geht gegen Krieg und für ein bessere Welt; friedliche Demonstrationen, Sit-Ins: Aha! Die Jugend begehrt auf. Der Punk-Rock, dem die bessere Welt nach fünf lauwarmen Sternis am Arsch vorbei ging, der aber immernoch dagegen war: Gegen so ziemlich alles; Staat, Kapital, Scheiße. Authenzität, Bewegung. Die Gruftis schließlich, die sich irgendwo zwischen Desinteresse und Frustration von beiden Protestformen abgewandt hatten und sich jetzt mit sich selbst beschäftigten. Wenn überhaupt richtet sich ihre Aggression nach innen. Weltschmerz. Zigaretten auf dem Unterarm ausdrücken. Weiterhin Ausdruck eines Lebensgefühls. Aber nicht wie kalte Asche, sondern in heißem Tanz: In Bewegung.
Und dann natürlich der Metal. Bewegung? Optisch übernahm man von den Hippies die Haartracht, klaute ein bisschen Lederjacken und Nietengürtel bei den Punkern und lies sich zuletzt noch von der Fledermaus-Patchouli-Ästhetik inspirieren. Von einer anfangs euphemischen Bruder-Schwester-Mentalität blieb spätestens nach der Verdifferenzierung in verschiedene Generes wenig übrig. Genaugenommen: Rituell verklärter Alkoholismus; vereinzelt verblödeter Korpsgeist. Die Aggression? Schonmal dagewesen. Die Frisuren? Schonmal dagewesen. Schnürstiefel? Pfft. Nochmal: Bewegung?

Jetzt sind die großen Schübe vorbei. Bewegungen, Revolutionen. Die Jugend ist satt. Was bleibt ist Krieg, Staat, Kapital und Scheiße. Selbstbezogene Probleme und die andern. Vielleicht hatet der Metal ja Recht, indem er sich für den ganzen Mist nicht interessierte. Indem er sich einfach entwickelte. Ohne Stoßrichtung ist seine Bewegung vielleicht die in Richtung individuelle Anerkennung. Er repräsentiert keine gesellschaftlichen Konflikte; ist keine Protest sondern Ausdrucksform. Sein So-Sein, seine Akzeptanz und seine diverse Bierseligkeit. Vielleicht sind die großen Festivals, die vielen Kneipen und Konzerte kein gruseligen Indikatoren einer mumifizierten Subkultur, sondern ihre ureigene Zielrichtung. Vielleicht ist die Überalterung einer Szene gar kein Alptraumszenario, sondern nur das, worauf die hunrige Generation immer gewartet hat: Endlich das machen, worauf man Bock hat, mit vielen anderen, die das auch so sehen.
Dann wäre der Metal nicht tot, nicht mal alt. Er, der eigentlich nie gekämpft hat, der keine Probleme mit sich hat, wäre die Bewegung, die als einzige da ist, wo sie hinwollte: Beim Achselzucken am Tresen, mit Bier in der Hand und geiler Musik.

Muss man Dubstep hören, nur weil das innovativ ist? Sind die großen Träume geträumt, die großen Gedankengebäude errichtet? Was ist schon vorwärts. Was ist schon retro. Kulturpessimismus für’n Arsch.

Dezember 13, 2011

VegAgression! – Ein Rant

Nachdem ich die letzten Tage auf einem Forum und in der Berliner Realität wegen meines Vegetarismus angefeindet wurde oder mich zumindest so gefühlt habe, fühle ich mich genötigt, das zu sublimieren. Keine Ahnung, ob der Begriff hier passt; keine Ahnung, ob das was nützt. Ich finde das Konzept von Definitionsmacht gut. Das besagt im wesentlichen, dass etwas dann als diskriminierend definiert wird, wenn sich jemand diskriminiert fühlt. Ich fühlte mich heute diskriminiert – was für mich als weißen Mann und Bildungsgewinner aus der Mittelschicht eine seltene, wenngleich wertvolle Erfahrung sein mag. Zwei Ebenen. Hier die Erste:

Ich habe es satt. Ich bin nicht nur oft genug satt vom vegetarischen Essen. Manchmal bin ich, der doch so gerne diskutiert, auch übersättigt: Von Diskussionen. Die Vegetarierdiskussion hängt mir beispielsweise schon zum Halse raus. Meines Erachtens ist sie deswegen so traurig, weil sie immer gleich abläuft. Es gibt nach meiner Erfahrung nämlich nur ein paar “Argumente”, die nacheinander von der omnivoren Seite vorgetragen werden.

Da ist zunächst die Metaebene. Auf ihr der Relativismus. Der ist gleich ein doppelter: Zunächst wird nämlich das eigene Verhalten relativiert: Ich bin so erzogen; nicht ich persönlich, sondern die Massentierhaltung / der Kapitalismus sind Schuld; ich kaufe doch eh nur Bio-Fleisch; am reinen Tiere-Essen ist doch nichts verwerflich. Es geht im Grunde immer um dasselbe: Die eigene, oftmals angeklagte Tat wird in ein besseres Licht gestellt. Es ist eigentlich alles gar nicht so schlimm; oder doch – aber ich eben nicht. Das ist die eine Seite.

Die andere Seite dieses doppelten Relativismus ist den Gegenüber zu relativieren; besser: Das was die Person tut. Ja, aber Du trennst ja Deinen Müll nicht; Du beziehst keinen Ökostrom; du kaufst ja auch bei Menschenfeind & Ausbeuter; du bist ja auch kein Veganer. Ich und andere bezeichnen dieses “Argument” auch gerne als das Konsequenz-Argument. Wenngleich ein Vegetarismus auch deontologischer Natur sein kann, insbesondere wenn er ethisch motiviert ist, geht es prinzipiell darum den Verzicht auf Fleisch zu relativieren. Du bist auch nicht besser als ich. Oder so. Oder du darfst mir keinen Vorwurf machen, weil du ja selbst inkonsequent bist. Ganz ehrlich: Menschliches Verhalten auf seine verabsolutierte Konsequenz hin zu beurteilen halte ich niemals für richtig. Selbst ich, für den Integrität die und das oberste Persönlichkeitsstütze und -merkmal darstellen, sage: Jedes Verhalten kann etwas beitragen oder eben auch nicht. Konsequent scheiße sein ist eben kein Wert.

Relativismus also. Es wird die eigene Untat verleugnet und die Person, die sich Mühe gibt, an die Wand gestellt. Zentral das Annähern der Pole. Im Endeffekt lautet die Message: Ich bin nicht so schlecht wie Du mich darstellst und Du nicht so gut wie Du dich darstellst. Mag was dran sein … oder auch nicht; ist inhaltlich jedenfalls ziemlich beliebig. Was lässt sich damit nicht rechtfertigen? Es gibt nichts Falsches im Falschen?

Das dritte Argument ist ein typisch Liberalistisches. Lass mich doch. Du hast Deine Meinung, ich habe meine. Anders ausgedrückt: Es geht um die Moral, um die Ethik, die existenziellen Fragen: Glaubst Du an Gott? Gibt es eine Seele? Welchen Pullover ziehe ich heute an? Welche Farbe soll mein Iphone haben – Wehe dem, der mir vorschreibt, wie ich diese Fragen zu antworten habe. Aber!

Es ist einfach blanker Relativismus das ganze immer als reine “Moralfrage” hinzustellen. Ist es eben nicht; beziehungsweise nur insoweit, wie jede einzelne Handlung sich nur dannach messen lassen muss ob sie moralisch oder nicht-moralisch ist.

Wenn ich jemandem ins Gesicht schlage – Moralisch oder nicht? Muss ich jemanden tolerieren der soetwas macht? Respektieren? Wenn ich meinen Müll auf die Straße kippe – Moralisch oder nicht? Muss ich jemanden tolerieren der soetwas macht? Respektieren? Und vor allem das Ergebnisse: Wenn ich zu dem Schluss komme, dass etwas unmoralisch ist, jemand unmoralisch handelt. Darf ich das dann nicht anklagen?

Ständig dieser überzeichnete Liberalismus mit seinem atomisierten Weltbild. Klar, immer muss ich jeden und jede und alles respektieren und ernst nehmen. Und die Handlungen natürlich genauso isoliert betrachten: Mein Whopper hat doch nichts mit Massentierhaltung zu tun. Selbst wenn die krasseste rassistischste, sexistischste, menschen- und tierverachtenste Kackscheiße daherkommt, darf ich das nicht auf der Ebene angehen: Was Du machst ist Scheiße. Stattdessen muss ich mir über tausend Umwege einen halben Kant konstruieren, um dann meine eigene Meinung als vermeintlich objektives Element einzuführen.

Ja dann macht es doch verdammt nochmal auf der “objektiven” Ebene (die es gar nicht gibt): Schaut Euch die Auswirkungen an: Für’s Klima, für’s Wasser, für Mitmenschen. Es ist doch nicht die Frage, welchen Pullover ziehe ich heute an. Die Frage ist auch nicht, welchen Gott (den es gar nicht gibt) bete ich heute an: Die Frage ist, mache ich so weiter wie bisher?

Die Vegetarier und Veganer kommen doch gar nicht (nur) mit der moralischen Keule. Das Massentierhaltung scheiße ist, wissen die Omnivoren doch selber (Kann mir doch keiner Erzählen, dass er nicht schwer schlucken muss, wenn ich die große Kiste mit der Aufschrifft “Skandalträchtige Bilder der Fleischproduktion” heraushole und ein paar davon zeige). Das ist doch bloß der krampfhafte Versuch, immer und immer wieder die Interdependenz von Konsum und Produktion abzuschotten und die ökologischen, ökonomischen, sozialen, politischen Dimensionen dieser Fragen zu verdrängen. Damit es eben nur heißt: Moralische Ebene. Damit es eben nur ist: Roter Pulli gegen grüner Pulli. Lebenseinstellung gegen Lebenseinstellung. Und nicht: “Verhalten, das ca. 51% der Treibhausgasemission verursacht” gegen “alternatives Verhalten.” Und das ist der Punkt, an dem ich gerne pauschal unterstelle, dass Aufklärung zu weniger Fleischkonsum führt.

Weg von der Metaebene: Hin zu den “echten Argumenten”, hin zur Diskussion. Doch: Das Problem an der “Diskussion” ist: Es gibt keine Diskussion. Es gibt auf der einen Seite nämlich nur zwei “echte Argumente”: Das eine lautet “Gesundheit” und wenn das fällt, sind wir eh schon raus. Wenn Du Fleisch essen musst, um Gesund zu leben rede ich das auch nicht in einer Diskussion weg. Das andere lautet “Geschmack” und ist im wesentlichen das, wogegen ich anschreibe. Mein Geschmack gegen “… ist mir egal”. Was soll das?

Und das sechste Argument? Tradition. O Really?

Und jetzt zur zweiten Ebene: Ich finde es gibt einen ganzen Rattenschwanz von Rationalgründen für Vegetarische Ernährung. Noch viel mehr für eine vegane Lebensweise. Dagegen steht bloßer Relativismus, eine liberalistische Mir-Egal-Haltung gepaart mit ein bisschen aber mir schmeckt es so gut. Das sind Punkte, wo ich anklagen kann. Wenn schon nicht aus den vielen angeschnittenen Punkten, so zu guter Letzt doch aus dem Verpöhnten. Das sprach mir heute aus der Seele: http://vegetarismus.ch/info/29.htm

Wenn ich den Vergleich zu den vielen negativen -Ismen ziehen darf: Natürlich muss mensch Tolerant sein. Aber: Ich habe dargelegt, warum ich es für legitim erachte gegen all die Scheinargumente anzureden. Und anzuklagen. Wenn ich dann nicht ernst genommen werde, überbrüllt werde, verlacht werde… Fühle ich mich diskriminiert. Genauso, wie wenn zwei Menschen vor mir, im vollen Bewusstsein über meine Haltung ihren Fleischkonsum rhetorisch vorexerzieren. Und wenn ich an Orten bin, wo selbst auf dem Käsebrot noch ein Stück Schinken liegt. Ich fühle mich ausgeschlossen und angefeindet.

Welche Ebene ist schlimmer?

…und jetzt: Gute Nacht erbostes Ich, bis morgen.

Oktober 11, 2011

Und wieder eine Fingerübung – jetzt.amalgam.haft

So.:

Drei Punkte

Drei Zeilen

Drei Wochen. Drei Wochen habe ich mir damals gegeben, als ich den ersten Text hierfür geschrieben habe. Das waren drei Wochen Semesterferien, drei Wochen bloggen, drei Wochen Web2.0. Jetzt sitze ich wieder hier: Ein bisschen unzufrieden, ein bisschen älter – aber wieder mit ubuntu. War das der Updatemanager? Ist die Vision jetzt (ist)? Kurz: Nein. Und wieder diese Sprachspiralen. Ich merke, dass mich das hier, (und) das assoziative Schreiben fesselt. Als wenn die Finger und der Kopf mit Gedanken Tennis spielen. Aber: Es erdet auch irgendwo; wahrt die Konstanz. Wachstum. Pflanzen. Ich muss meinen Hitzkopf erstmal wieder ein paar Wochen auf das kühle, feuchte Substrat legen und durchatmen. Also. Ein Durchatmen:

Berlin. Ich bin jetzt seit zwei Monaten hier und hatte mehr Besuch als jemals zuvor. Was wollen die eigentlich alle hier? Und: Was will ich hier? Was ist Berlin eigentlich für dich? Und für mich? Ist es eine Stadt? Ein Label? Ein Lebensgefühl? Ich kann mir das  selbst nicht beantworten. Wenn mensch die Stadt nur kurz besucht ist es womöglich ein Lebensgefühl. Ein Taumel, ein Feuerwerk. Jeden Abend feiern, die Ubahn rattert die ganze Nacht und die Leute, denen du gestern ans Bein gepisst hast, siehst du eh nie wieder. Und dann? Ziehste her. Dann kommt erstmal der Kater. Hohe Häuser, dicke Luft, ein paar Bäume. Wenig Leute, wenig Kontakt, ein bisschen kalt draußen – und auch die Menschen. Aber irgendwo siehst du immer Sachen, wo mensch denkt “Das ist jetzt wieder so’n Berliner-Ding” – ge-labelt quasi – “gibt’s anderorts gar nich’” – oder doch – “aber nich’ so richtig – Is’n Feeling halt.” Whatever. Und dann? Stehste och nur anner Kasse un’ koofst de’en Scheiß. Die gleichen ungesunden Sachen wie woanders. Was soll’s: Der Absatz ist so schlecht, wie die Stadt   ungreifbar.

Und die Uni? Darüber muss ich mich an dieser Stelle ja mal ärgern. Ich hatte mich zu meinem Umzug hin ja an drei Universitäten beworben. Während mein Notfallplan und meine Alternative sich beide relativ schnell positiv zurückmeldeten, tat dies meine Wunschuniversität zunächs nicht. Erst gegen Ende Sepember hin kam die Zusage. Das heißt online. Das heißt vorbehaltlich und lediglich über das Bewerberportal. Ich hatte ein paar Tage, wenige Tage, meinerseits: Die brauchte ich auch. Ein rasches Telephonat mit einer recht unfreundlich wirkenden Damen offenbarte mir dann nämlich prompt, dass ich zwar meinen Studienplatz hatte, mich der Wechsle jedoch irgendwas zwisschen einem Semester und einem Jahr kosten würde. Könnte. Oder so. Und während ich dann in den letzten fünf Tagen die ich noch Zeit hatte hastig meine Unterlagen zusammenkramte (Inkl. Überweisungsbeleg für den Semesterbeitrag natürlich; denn während die Uni sich zwei Monate Zeit lassen darf, wären für einen Studi schon zwei Wochen zu viel – zumindest wenn’s um Geld geht) fuhr die halbe Belegschaft der Hochschule erstmal in’ Urlaub. Sauber. Ich klingel also bei der Hotline durch – Leider keiner da, für die nächsten X Tage. Oder versuche mir nach der endgültigen Zusage (die natürlich erst einen Tag vor Deadline erst ordentlich zugestellt wurde) meinen Leistungskram anerkennen zu lassen – versuchen Sie’s doch nächste Woche mal. Auch mein Semesterticket lässt auf sich warten und ein erneuter Anruf, den die Kolleginnen und Kollegen sicher braungebrannt entgegennehmen, offenbart mir auch warum: Jemand krank geworden. Aha, denk ich mir so, und mache tags darauf ein handschriftlich ausgefülltes, vorläufiges Semesterticket auf. Kein Wunder.

Naja, jetzt läuft’s aber irgendwie. Die Telephondame war doch ganz nett. Leben halt. Süß-Sauer halt. So wie das hier: Lange nicht geschrieben,fühl mich schlecht dabei – aber dem Blog verhaftet. Von der Uni abgetörnt aber doch irgendwie angezogen. In eine fremde Stadt gezogen, die auch erstmal Fremd bleiben will. Keine Bewährung: Neuer Versuch, neuer Abschnitt. In Berlin. Jura. Leben… Und versuchen, wieder zu schreiben. Darüber – und drumherum.

September 26, 2010

Sonntagsfrust. Heute: Grün, grün, grün sind alle meine Stifte.

Warum engagiere ich mich politisch und warum in welcher Gruppe. Warum wähle ich welche Partei .

Die Punkte am Ende dieser beiden Sätze suggerieren eine Aussage. Eigentlich sind es jedoch Fragen. Die Frage, die ich mir an dieser Stelle jedoch stelle ist, wieso mensch Fragen wie diese nicht zufriedenstellend beantworten kann. Kann mensch doch? Habe ich bislang noch nicht so erlebt. Zurück zu den Anfängen.

Warum grün? Bevor ich in der Grünen Jugend war, habe ich – so denke ich – Grün gewählt. Ich habe überhaupt seit ich denken – nein, seit ich mich erinnern kann – Wahlalter „null“ gibt’s ja nicht – – die Grünen gewählt. Warum?

Das mag damit zusammenhängen, denke ich, dass ich ein sehr punktuell informierter Mensch bin; ich zumeist also keinen Überblick über den Überblick habe, sondern sachspezifisches Wissen intensiviere. Es ist, denke ich, mit den Parteien überhaupt so eine Sache. Die wenigsten Menschen lesen Parteiprogramme. Noch weniger Menschen lesen die Programme von verschiedenen Parteien um sie untereinander zu vergleichen. Und die, die das tun, tun das zumeist nicht aus Interesse an der Sache, sondern um der von ihnen favorisierten Meinung argumentativen Rückhalt geben zu können. Zum Beispiel, indem sie die Argumente der Gegenseite bereits kennen. Apropos kennen. Ich kenne genügend Menschen, die für die Grüne Partei Wahlkampf machen, machen werden oder gemacht haben, ohne das Parteiprogramm gelesen zu haben. Funktioniert ja auch super; zum Luftballons verteilen und Flyern braucht mensch auch nicht mehr. Aber zurück zur punktuellen Information. Die meisten Menschen machen das also so; so die Behauptung. Niemand liest alle Wahlprogramme, wenn dann eines und meist zu einem bestimmten Thema. Mensch weiß dabei gar nicht, dass die andere Partei sich noch sympathischer mit dem Thema auseinandersetzt; und NGO X noch viel fundierter. Aber wenn es nicht die (dezidierten) Inhalte sind, was dann? Wenn ich ohnehin erst dann die Information beziehe, wenn ich mich bereits überdurchschnittlich mit der favorisierten Gruppe beschäftige? Wenn ich erst bei den Grünen beitrete und dann gegen Agrarsubventionen bin.

Ich denke es hat etwas mit Subkultur zu tun. Mit Subkultur oder mit anti-popkultureller Identifikation. Ich denke jeder Mensch identifiziert sich mit Dingen; viele definieren sich sogar über die Dinge, mit denen sie sich identifizieren. Identifikation läuft – so die Erfahrung – auf zwei Ebenen ab: Der sympathischen Ebene und der Vereinnahmung. Zum Beispiel musikbezogene Subkulturen, wie die Metalszene: Die Musik (Metal) hört mensch (Vereinnahmung); mit Alkoholkonsum, Nietengürteln, langen Haaren, Bandshirts et cetera, et cetera sympathisiert mensch. Es gibt sowohl das eine, als auch das andere; auch beides in Kombination. „Poser“ zum Beispiel sympathisieren nur mit den szenetypischen Merkmalen, „untrue“ Menschen lassen sich zwar von der Musik vereinnahmen, folgen aber aus X-Gründen nicht den sozusagen vorgeschrieben Riten. Zunächst kommt eine Entfremdung von der Popkultur, dann eine Überidentifikation mit Alternativ- oder Subkulturen, dann die Ich-Findung und dann die Festigung. Anders ausgedrückt: Man weiß noch nicht, wer man sein will, nur das alle anderen zum kotzen sind.

Zurück zur Politik. Die banale Erkenntnis, dass alles politisch ist, weckt die Menschen auf. Mensch erkennt sich und sein Umfeld nicht mehr als Vorgegeben, sondern zieht Bezüge zu Matritzen die in sich, als solche oder zumindest personell wandel- und umstrukturierbar sind. Es folgen die ersten utopischen Gedanken, gefolgt von der „in-“politischen Sozialisation. Zumindest glaube ich, dass es sogar bei JU-Leuten ähnlich ablaufen könnte. Zuerst ist da der Wille zur Veränderung, dann ein Feindbild (Kapitalismus, Atomkraft, Nazis, Soldaten, Zensur, …) dann Ballons und Flyer. Um den Bezug einigermaßen zu wahren: Vereinnahmt sind die Menschen bloß von dem Gedanken etwas zu verändern. Etwas ist ein politisierendes Feindbild. Die restliche Identifikation ist bloßes sympathisieren mit Symbolen, Lebensgefühlen und Riten. Letztere halten einen bei der Stange, während mensch glaubt etwas zu verändern.

Zu guter Letzt kommen die Menschen. Wenn man sich nun also assoziiert – profan die Feststellung das man das in politischen Gruppen tut – so tut man das (Behauptung), weil man die selben Kugelschreiber gut findet und Atomkraft eben nicht (Beispiel). Dann trifft man Leute, und Leute treffen ist cool. Mensch kennt das: Jede_r hat einen Freund oder eine Freundin, die er eigentlich nicht leiden können sollte; die aber den einen oder anderen Aspekt hat, den man mag. So ist das eigentlich auch mit politischen Gruppierungen. Wenn einen die Hochglanzflyer nicht mehr beeindrucken, die Illusion, die Gesellschaft zu verändern langsam nachlässt, bleibt mensch bei den Menschen hängen, die dann halt doch nicht so scheiße wie der ganze Rest sind. Lohnt sich die Investition?

Doofes Wetter heute : )

Mai 8, 2010

Kommunalrevolution?

Seit den 90er Jahren ist das Thema Bürger_innenbeteiligung bundesweit stark in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt. Verbände wie “Mehr Demokratie e.V.” haben mit beiden Beinen Fuß auf dem politischen Parkett gefasst und die steigende Politikverdrossenheit in Kombination mit massiver Kritikäußerung an sämtlichen Personen der politischen Landschaft im öffentlichen Raum machen eine Unzufriedenheit mit dem aktuellen System offenkundig. Neue Bewegungen und Ansätze zirkulieren, neue Medien drängen über Konzepte wie Liquid Democracy und eGovernment in die Parlamente. Davon bleibt natürlich auch Rheinland-Pfalz nicht unberührt; oder um es mit den Worten des Innenminsteriums zu sagen: “[Es] besteht landesweit Übereinstimmung dahingehend, dass die derzeitigen Kommunal- und Verwaltungsstrukturen in Rheinland-Pfalz einer Weiterentwicklung und Optimierung bedürfen [...]”

Warum wir mehr (direkte) Demokratie brauchen

Reformen sind gut. Reformen sind wichtig. Wichtig ist aber vor allem auch direkte Demokratie: Damit wird es quasi richtig wichtig, dass direktdemokratische Elemente in der geplanten Kommunalreform entsprechend eingebracht werden. Warum eigentlich?

Entgegen der teilweise erhöhten Skepsis gegen die vermehrte Einbeziehung von Bürger_innen in die Betätigungsfelder der “politischen Kaste” und/oder Verwaltung, belegt die Forschung (im übrigen auch der gesunde Menschenverstand), dass allein die Existenz beziehungsweise Möglichkeit von Beteiligungsverfahren in Form von Bürger_innenbegehren und Bürger_innenentscheiden ein enormes Druckpotential aufbauen. Der Verweis auf diese Verfahren kann nicht nur strittige Vorhaben (ein_e Schelm_in, wer jetzt an den JMStv denkt) gegebenenfalls abbremsen oder gar verhindern, sondern gleichzeitig Differenzen zwischen Bevölkerung und Bevölkerungsvertreter_innen aufdecken: In der Schweiz beispielsweise stimmen Bürger_innen immer öfter anders ab, als ihre Vertreter_innen zuvor im Parlament. Die Folge: Schweizer Politiker_innen achten mehr darauf, was die Bevölkerung will, weil falsche Entscheidungen ansonsten über Volksbegehren zu Fall gebracht und anschließend abgestraft werden.

1991 stritt – um ein anderes Beispiel zu bemühen – eine Bürgerinitative in Bayern für eine ökologischere und effizientere Abfallwirtschaft. Die CSU stellte sich dagegen, aber ein Bürger_innenbegehren mit etwa einer Millionen Unterschriften führte schließlich zum Umdenken und Bayern wurde Vorreiter für eine moderne Müllpolitik. Eine Landesverfassung, die bürger_innenbegehrenfreundlich ist, ist also nicht bloß aus sich heraus erstrebenswert, sondern stärkt gleichzeitig das repräsentative Element im repräsentativen Parlamentarismus.

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April 29, 2010

Gedanken zum Thema

Eigentlich wollte ich in die Webredaktion um mich ein wenig zu disziplinieren. Disziplin kommt, wie ich bei einem betont bekannten und kostenlosen Internetinformationsmonopolisten nachgeschlagen habe aus dem Latein und bedeutet etwa Zucht oder Schule. Eigentlich ganz interessant, diese Ambivalenz und wäre ich eine Bildungspoltikerin und würde jetzt einen bildungspolitischen Text schreiben, wäre die Einleitung als Überleitung, die Exposition als sinnvolle Einführung ins Geschehen, vielleicht besser geglückt. Aber stattdessen geht’s hier um was ganz anderes; das dritte Wort mit den drei Buchstaben im ersten Satz: (M)ich. Wer schreibt schon über sich, fragst Du dich da. Und wer will sowas eigentlich Lesen – und womöglich hast Du Recht.

Aber zurück auf Los und in den zweiten Absatz: Jetzt ist also die Einleitung endgültig missglückt. Der Grundgedanke dieser Fingerübung ist immernoch nicht erklärt. Also. Ich habe mich in den letzten Wochen viel mit einigen APO-Organisationen auseinandergesetzt und bin eigentlich immer wieder an einen Punkt gelangt: Den Punkt an dem ich mich frage, warum machen Menschen das. Da gibt es zum Beispiel eine Organisation die sich dafür einsetzt, dass es in Deutschland mehr direktdemokratische Elemente gibt. Sämtliche Publikationen sprechen Dich jedoch so an, als wärst Du prinzipiell gegen direkte Demokratie oder sowieso schon davon überzeugt. Menschen wie ich oder vielleicht Du, die prinzipiell erstmal mit sämtlichen linksorientierten APO-Organisationen sympathisieren kommen viel zu kurz.

Zum Beispiel gibt es da Argumentationshilfen gegen bekannte Ein- und Widersprüche. Die Nazikeule wird zum Beispiel schmuckhaft und fundiert widerlegt: In der Weimarer Republik gab es nur soundsoviele Volksbegehren von denen die Nazis keines gewannen und der wahre schwarze Peter war die Parteiendemokratie. So weit, so gut; nur hätte ich die Nazikeule ohnehin nicht geschwungen. Nächstes Beispiel: Ein Text darüber, wie sich direkte Demokratie in Beispiellandistan ausgewirkt hat und auswirkt, verpackt in ein rhetorisches Kopfnicken. Mensch versucht also entweder mit rationaler Logik den Kritiker anzugehen oder dem Schmeichler zu schmeicheln.

Was ich mir wünschen würde ist im Grunde aber eigentlich etwas anderes. Es gibt da zum Beispiel diese – ist es geschickter “pazifistische” oder “antimilitaristische” zu sagen? – Gruppe. Da gibt es dann gefühlte fünfzig Broschüren, die mir auflisten, warum der Afghanistankrieg so schrecklich ist, warum dort so viel Leid angerichtet wird und warum es besser ist, die Truppen sofort abzuziehen. Der springende Punkt ist aber dieser: Diese Diskussion wird immer wieder auf einen Punkt zurückgeführt werden. Wenn Gregor Gysi im Bundestag davon redet, dass die Bundesregierung es als Erfolg verkaufen will, dass jedes fünfte Mädchen in Afghanistan mittlerweile Lesen kann – und sich darüber beschwert, dass das ein inakzeptabel geringer Prozentsatz ist, hat er gewissermaßen Recht. Wenn aber zumindest jedes fünfte Mädchen lesen kann, ist das – genauso zumindest – ein Erfolg.

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März 30, 2010

Vision 2.0

Computer haben’s gut…

Während mein ubuntu sich allein dadurch verbessern und updaten lässt, dass man den Update Manager startet ist es im echten Leben leider nicht so einfach. Du weißt weder, dass dein Ist-Zustand nicht verbesserungswürdig ist, noch was du konkret tun musst, um das zu ändern. Natürlich fühlt man sich hin und wieder wie in alte Zeitungen eingewickelt und hat diesen Hunger. Dann weißt du einfach, jetzt musst du was essen, dich ändern. Ich weiß nicht, was man besser machen muss, aber ich weiß, dass es anders werden muss, damit es besser sein kann… Aber wenn man gar keinen Hunger hat? Wenn man nur Appetit hat, aber nichtmal sagen kann auf was? Und wenn du noch gar nicht  weißt, wie grau deine Seifenblase von Innen aussieht?

Tja, da gibt’s diese Tage – Ändern, was einen stört, ändern, was einen nicht stört oder sich Dinge suchen, die man ändern kann, nur um herauszufinden, ob man ohne bzw. mit ihnen glücklicher ist?

Vielfach ist ja gar nicht das Jetzt ein Problem, sondern die Vision! Wenn ich Anfange einen Blog zu schreiben weil ich was ändern will, weil ich mich selbst begeistern und aus der Trivialität emanzipieren möchte, freue ich mich auf die Artikel, die ich noch schreiben muss. Wenn ich sie geschrieben habe, freue ich mich auch über meine Produktivität. Aber währenddessen? Der Übergang von der Vision zum Jetzt; diese kritische Grauzone – Wenn doch nur der Updatemanager das übernehmen könnte… 2 Klicks und das bessere, die Vision -ist-. Aber eigentlich ist doch das Leben, oder nicht?

Zukunft in Vergangenheit verwandeln um der Langeweile zu entgehen.

Kommentar: Eigentlich wollte ich den Artikel noch überarbeiten, aber mitterlweile mag ich die Dynamik.

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